Schritt für Schritt - auf den Wegen der Gemeinde

Die Teilnehmenden am Ortsrundgang "Schritt für Schritt - auf den Wegen der Gemeinde" beim abschließenden Gruppenfoto im Bauhof.

Ortsrundgang rund ums kommunale Geschehen in Wurmberg und Neubärental – ein Rückblick

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

leider war uns „der Wettergott nicht gerade hold“ beim Ortsrundgang am Samstag, 1. Oktober 2022. Getreu dem Motto „es gibt kein schlechtes Wetter, nur unpassende Kleidung“ fanden sich dennoch rund ein Dutzend unerschrockene und wetterfeste Personen am morgendlichen Treffpunkt im Gewerbegebiet „Dachstein“ ein, um beim Gang durch die Gemeinde mehr über das kommunale Geschehen zu erfahren – hierfür nochmal meinen ganz herzlichen Dank an alle, die mit dabei waren!!!

Dauerregen und starker Wind sorgten allerdings dafür, dass der Ablauf des Ortsrundgangs geändert werden musste. So konnten z.B. leider weder die ausgedruckten Pläne draußen im Freien präsentiert noch die potenzielle Höhe beim Projekt „Wurmberg 500“ mittels mit Helium gefüllten Ballonen simuliert werden. Nach Abstimmung mit allen Teilnehmern wurden die Ausführungen während des Rundgangs auf ein Mindestmaß begrenzt und dieser insgesamt verkürzt. Statt an den einzelnen Stationen unterwegs, erfolgten die ausführlichen Erläuterungen zu den vorbereiteten Plänen und weiteren Themen zentral im Trockenen in der Fahrzeughalle des alten Feuerwehrhauses sowie in der Halle des Bauhofes.

Die Erläuterung von Plänen erfolgte aus witterungsbedingten Gründen ausschließlich im alten Feuerwehrhaus und im Bauhof ... und damit im Trockenen

  • Was ist in den letzten Jahren erledigt worden? Warum wurde manches so und nicht anders gemacht?
  • Was steht aktuell auf der Agenda der Gemeinde? Warum brauchen Entscheidungsfindung und Aufgabenerledigung oftmals länger?
  • Welche Aufgaben und Herausforderungen kommen auf die Gemeinde zu? Welche Handlungsspielräume gibt es noch?

Anhand dieser und weiterer Fragestellungen konnte ich hoffentlich einigermaßen nachvollziehbar und verständlich über unterschiedliche Themenfelder der jüngeren Vergangenheit, der Gegenwart und der näheren Zukunft informieren sowie Fragen beantworten und Anregungen mitnehmen.

Wie bereits in der Einladung zum Ortsrundgang erwähnt, möchte ich auf die wesentlichen Themen auch nochmals hier an dieser Stelle eingehen. Anders als beim Ortsrundgang selbst, dessen Ablauf sich an der geografischen Lage orientiert hat, ist der nachfolgende Bericht thematisch gegliedert.

Im Einzelnen kamen beim Ortsrundgang insbesondere folgende Aufgabenfelder zur Sprache:

Schaffung von Wohnraum

Dringend benötigter Wohnraum soll in Wurmberg durch zwei neue Baugebiete geschaffen werden. Im Baugebiet „Quellenäcker II“ (rd. 3 ha) liegt der Schwerpunkt dabei auf Baugrundstücken für Einzel- und Doppelhäuser, wobei die Gemeinde Wurmberg selbst aber über zwei Grundstücke für Mehrfamilienhäuser verfügen wird. Die Erschließung des Gebiets beginnt jetzt im Oktober, die Bauzeit beträgt insgesamt rund 14 Monate. Die Modalitäten für Veräußerung bzw. Vermarktung der Grundstücke in Gemeindehand wird der Gemeinderat erst im kommenden Jahr festlegen. Neben einem Verkauf ist dabei auch die Überlassung von Baugrundstücken in Erbpacht eine Option, wodurch sich verstetigte Einnahmen für die Gemeinde erzielen ließen.
Das Gebiet „Zeitelbäume“ (ca. 1,5 ha) wird geprägt sein von einer hohen Anzahl an Mehrfamilienhäusern und damit einer deutlich dichteren Bauweise als in herkömmlichen Baugebieten. Ein Projektentwickler übernimmt die Erschließung des Gebiets, die in Abstimmung mit der Gemeinde erfolgt, und trägt hierfür die Kosten. Die öffentlichen Flächen und Anlagen werden anschließend an die Gemeinde übertragen, die ihren zusätzlichen Flächenanspruch aus dem Umlegungsverfahren finanziell vergütet bekommt, d.h. die Gemeinde verfügt selbst in dem Baugebiet dann über keine Baugrundstücke.

Kindertagesbetreuung

Ausgehend von einer im vergangenen Jahr erstellten Kindergarten- und Schulentwicklungsplanung gibt es bis zum Jahr 2030 Bedarf für zwei bis vier zusätzliche Betreuungsgruppen. Zur kurzfristigen Deckung des Bedarfs hat die Gemeinde auf dem bisherigen Festplatz eine temporäre Raumlösung realisiert, in der am 01.09.2022 eine Gruppe für Kinder ab 3 Jahren bis Schuleintritt (Ü3) sowie aktuell Anfang Oktober eine Gruppe für Kinder von 1 – 3 Jahre (U3) starteten.

Für eine dauerhafte Lösung wurden verschiedene bauliche Lösungen (Anbauten mit und ohne Umbau und Aufstockung sowie Abbruch und Neubau) auf dem Bestandsgelände in der Gartenstraße in Wurmberg untersucht. Unter Berücksichtigung eines zusätzlichen zeitnahen Sanierungsbedarfs des Kindergartengebäudes Gartenstr. 14 bewegen sich die geschätzten Kosten auf insgesamt zwischen 3,7 und 4,6 Mio. EUR.

Eine sehr attraktive und dabei kostengünstigere Alternative könnte die Einrichtung eines Naturkindergartens auf einem Grundstück der Gemeinde in der Alten Pforzheimer Straße sein. Die Evang. Kirchengemeinde als Trägerin der örtlichen Kindertageseinrichtungen könnte sich ein solches Angebot grundsätzlich ebenfalls vorstellen. Mittels einer Änderung des Bebauungsplanes „Wochendhausgebiet“, dessen Aufstellungsbeschluss in der nächsten Gemeinderatssitzung vorgesehen ist, sollen die baurechtlichen Voraussetzungen geprüft und geschaffen werden.

Grundschule / Turn- und Festhalle

Für den Bereich der Grundschule hat der Gemeinderat im Jahr 2019 einen Grundsatzbeschluss für einen Neubau gefasst. Seither erstellte städtebauliche Konzeptionen für dessen Umsetzung am bestehenden Standort Uhland-/Hofstättstraße sowie alternativ neben den Einkaufsmärkten in der Wiernsheimer Straße weisen nach grober Kostenschätzung einen Finanzierungsbedarf durch die Gemeinde zwischen 10 und 12 Mio. EUR aus (Förderungen und Grundstückserlöse bereits abgezogen).

Bei allen Überlegungen kristallisiert sich immer mehr heraus, dass die Frage nach der Zukunft unserer Turn- und Festhalle das Zünglein an der Waage spielen dürfte. Welche Anforderungen muss sie in Zukunft erfüllen? Ist eine Sanierung und Erweiterung an Ort und Stelle möglich und sinnvoll, wenn das alte Schulgebäude entfällt? Kann sich die Gemeinde eine neue Halle finanziell leisten und wenn ja, in welcher Größenordnung?
Eine gute und finanzierbare Lösung für Halle und Schule zu finden, ist in schwieriger werdenden wirtschaftlichen Zeiten nicht einfach. Denkverbote darf es dabei keine geben und auch bereits getroffene Entscheidungen gehören ggf. nochmals auf den Prüfstand. Die notwendige Zeit zur Entscheidungsfindung konnte durch die Umsetzung wichtiger Brandschutzmaßnahmen für rund 280.000 EUR gewonnen werden.

Rathaus mit Außenstelle KOMM-IN-Dienstleistungszentrum

Im Zuge der städtebaulichen Erneuerungsmaßahme „Ortsmitte II“ beabsichtigt die Gemeinde die Sanierung und den Umbau des Rathauses. Angezeigt ist zum einen die energetische Sanierung des Gebäudes sowie die Erneuerung der technischen Ausstattung insbesondere in den Bereichen Heizung sowie Sanitär- und Elektroinstallation. Durch den Ausbau des Dachgeschosses zum Tagungsraum für den Gemeinderat und Umbau des bisherigen Sitzungssaals zu Büros bzw. Besprechungszimmern könnte der mittlerweile bestehenden Raumknappheit begegnet, durch den Anbau einer Aufzugsanlage ein barrierefreier Zugang hergestellt werden. Eine erste Kostenorientierung geht von einem Aufwand von mindestens 732.000 EUR aus, für den jedoch eine effektive Förderung in Höhe von 36% aus Bundes- bzw. Landesmitteln im Raum steht.

Der Fachkräftemangel macht auch vor der Gemeindeverwaltung und dort insbesondere vor dem Dienstleistungszentrum KOMM-IN leider nicht halt. Die personelle Entwicklung im Frühjahr und über die Sommerpause hat dazu geführt, dass derzeit zwei Stellen im Gesamtumfang von etwas mehr als einer Vollzeitkraft unbesetzt sind. Die (erneute) Ausschreibung zu besetzender Stellen brachte nur wenig Resonanz, eine abschließende Bewertung der eingegangenen Bewerbungen steht allerdings noch aus. Die Gemeindeverwaltung wird daher voraussichtlich nicht umhin können, als die Öffnungszeiten des KOMM-IN in den kommenden Wochen nochmals anzupassen. Sollte es weiterhin nicht gelingen, zusätzliches geeignetes Personal fürs KOMM-IN zu finden, bleibt als Ausweg möglicherweise nur die Kündigung des Vertrags mit der Deutschen Post AG über den Betrieb der Partnerfiliale durch die Gemeinde im KOMM-IN. Gemäß geltender Rechtslage müsste diese dann zwar ein anderes Angebot im Ort bereitstellen – in welchem Umfang und zu welchen Öffnungszeiten wäre jedoch völlig unklar.

Nordöstliche Teilortsumgehung zwischen Öschelbronner und Wiernsheimer Straße

Die geplante Straßenbaumaßnahme fällt in den Zuständigkeitsbereich des Enzkreises, da hierdurch insbesondere die innerörtliche Kreisstraße K 4501 entlastet werden soll. Eine Entlastung ist hier nicht an erster Stelle aufgrund der Verkehrsmenge erforderlich – diese fällt im Vergleich zu den Hauptdurchgangsstraßen wie z.B. Pforzheimer Straße und Uhlandstraße deutlich geringer aus. Problematisch ist die Verkehrssituation auf der Öschelbronner Straße aufgrund der geringen Fahrbahnbreite, engen Kurvenbereichen und schmalen, nicht mit Bordstein abtrennbaren Gehwegen, die einen Begegnungsverkehr (mindestens) von Schwerlastfahrzeugen eigentlich unmöglich machen und die Sicherheit von Fußgängern gefährden:

Begegnungsverkehr von Schwerlastfahrzeugen in der Öschelbronner Straße beim Pfarrhaus

Die mit der Gemeinde abgestimmte Planung durch den Enzkreis sieht – von Norden her kommend – den Beginn der Teilortsumgehung auf Höhe des bestehenden „Heuwegs“ vor. Die Anbindung an die Kreisstraße erfolgt mittels eines Kreisverkehrs. Nach rund 240 m auf der Trasse des Heuwegs führt die Umgehungsstraße dann im Bogen nach Süden auf die Landesstraße L 1135. Die Maßnahme umfasst auch den Bau von notwendigen Rad- und Wirtschaftswegen sowie im Bereich der Anbindung an die Landesstraße eine sog. „Lückenampel“ (analog zur bestehenden Lichtsignalanlage am Ortseingang Wurmbergs von Pforzheim her kommend). Die Kosten belaufen sich auf insgesamt 4,7 Mio. EUR, wobei dem Enzkreis als Kostenträger durch die Aufnahme der Maßnahme ins Förderprogramm „Entwicklung sicherer Ortsmitten“ ein Landeszuschuss in Höhe von 2,51 Mio. EUR in Aussicht steht. Im Rahmenplan des Enzkreises für den Kreisstraßenbau ist das Vorhaben mit einem Baubeginn im Jahr 2024 berücksichtigt. Dieser ist jedoch nur dann realistisch, wenn das Vorhaben verfahrensfrei realisiert werden kann. Die hierfür notwendige Zustimmung aller wesentlichen Träger öffentlicher Belange scheint möglich. Zum Knackpunkt könnte aber werden, dass der Enzkreis den erforderlichen Grunderwerb (Kauf oder Flächentausch) ebenfalls auf freiwilliger Basis bewerkstelligen muss. Eine erste Besprechung mit den betroffenen Grundstückseigentümern lässt allerdings daran zweifeln, dass die Flächenverfügbarkeit in allen Fällen auf diese Weise hergestellt werden kann. Alternativ wäre z.B. noch ein Bebauungsplanverfahren mit angeschlossenem Umlegungsverfahren möglich – was aber bedeuten würde, dass die Maßnahme bis zur Fertigstellung insgesamt deutlich länger braucht.

Radweg zwischen Wurmberg und Neubärental entlang Landesstraße L 1135

Eine weitere wichtige verkehrliche Angelegenheit betrifft den Bau einer Radwegverbindung zwischen den beiden Ortsteilen entlang der Straße nach Pforzheim mit Anbindung ans Gewerbegebiet „Dachstein“. Das Land Baden-Württemberg hat die Maßnahme aus dem Radverkehrskonzept des Enzkreises in den Bedarfsplan für den Ausbau von Radwegen an Bundes- und Landesstraßen aufgenommen, d.h. die Kosten werden bis auf den Grunderwerb und einen Anteil der Gemeinde an den Kosten für Planung, Ausschreibung/Vergabe, Bauüberwachung etc. durch das Land Baden-Württemberg getragen. Nach Beauftragung eines Ingenieurbüros durch die Gemeinde soll die Planung unverzüglich angegangen und zwischen Land und Kommune eine Baudurchführungsvereinbarung abgeschlossen werden. Mittels dieses Radwegs wird nicht nur eine durchgängige Verbindung ab Ortsausgang Wurmberg bis Neubärental sowie weiter nach Pforzheim geschaffen, sondern auch die Erreichbarkeit des Gewerbegebiets „Dachstein“ durch den Bau einer Querungshilfe über die Landesstraße verbessert. Wunschvorstellung der Gemeinde ist zudem, im Zuge der Maßnahme endlich auch Bushaltebuchten an der Landesstraße auf Höhe der Zufahrt zum Gewerbegebiet realisieren und auf diese Weise die Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr verbessern zu können.

Kreisverkehr – Gestaltung der Mittelinsel

Im Zuge des Baus eines Kreisverkehrsplatzes im Kreuzungsbereich Uhland-, Hofstätt- und Wimsheimer Straße hat die Gemeinde Wurmberg mit dem Land Baden-Württemberg vereinbart, dass die Kommune die Gestaltung und Pflege der Mittelinsel sowie begleitender Pflanzflächen übernimmt. Der Gemeinderat hat hierzu im vergangenen Jahr einem aus seinen eigenen Reihen stammenden Gestaltungsvorschlag grundsätzlich zugestimmt, der eine Gestaltung mit einem Schleiftrog, Ortswappen Wurmbergs und seiner Partnergemeinden (Queyras, Euro-Bärental) sowie einer Vorrichtung für den temporären Einsatz von Fahnenmasten vorsieht. Weiterhin wurde aus einer Bürgerbeteiligung im Sommer 2021 der Vorschlag übernommen, möglichst großflächig insektenfreundliche Anpflanzungen vorzunehmen. Ein Fachbüro für Landschaftsplanung hat diese Ideen im Auftrag der Gemeinde nunmehr in eine Planung umgesetzt, da bauliche Maßnahmen in der Mitte eines Kreisverkehrs grundsätzlich genehmigungspflichtig sind.

Die dabei erstellten Pläne wurden zwar noch nicht im Gemeinderat beraten, doch liegen die voraussichtlichen Gesamtkosten um ein Vielfaches höher als erwartet. Der Gemeinderat wird daher darüber befinden müssen, ob und auf welche Weise die Planung geändert wird, um Kosten zu senken.

Ausbaustandards allgemein – Beispiele Birkhofstraße sowie Fußweg zwischen Wurmberg und Neubärental

Das vorstehende, aktuelle Thema der Gestaltung der Kreisverkehrsmitte ist ein Paradebeispiel für die seitens der Gemeinde immer zu führende Abwägung zwischen Wunsch und (finanzieller) Wirklichkeit. Angesichts zweier Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit habe ich beim Ortsrundgang versucht darzulegen, warum das eine oder andere Vorhaben anders durchgeführt wurde als sich dies manch jemand gewünscht hätte.
Der Fußweg zwischen Wurmberg und Neubärental entlang der Kreisstraße K 4570 hätte natürlich auch als kombinierter Fuß- und Radweg ausgeführt werden können. Die hierfür notwendige Verbreiterung des Wegs um einen Meter auf der gesamten Länge wäre jedoch mit nicht unerheblichen Mehrkosten für Grunderwerb, Wegebau inkl. Untergrund und Böschungssicherung verbunden gewesen.

Der Weg wird so wie er jetzt ist von der Bevölkerung ganz prima angenommen. Und selbst wenn, was rechtlich gesehen natürlich grundsätzlich nicht zulässig ist, auch Radfahrende den Weg benutzen, funktioniert dieser immer noch – natürlich nur dann, wenn alle Wegnutzende die im Straßenverkehr vorgeschriebene gegenseitige Rücksichtnahme walten lassen.

In der Birkhofstraße in Neubärental wurden Stromleitungen in den Untergrund verlegt, Wasserleitungen erneuert und Breitbandinfrastruktur mitverlegt. Vorgesehen waren hier nur die jeweils notwendigen Gräben, die anschließend wieder verfüllt und mit neuem Straßenbelag versehen werden sollten. Im Verlauf der Baumaßnahme zeigte sich allerdings, dass der vorhandene Untergrund in vielen Bereichen nicht ausreichend verdichtet war – die Gräben brachen an vielen Stellen ein. Darüber hinaus konnten teilweise Leitungen nicht wie vorgesehen verlegt werden, weil zu erhaltende Bestandsleitungen anderer Versorgungsträger (z.B. Telekom) angetroffen wurden, die in den zuvor übersandten Bestandsplänen nicht oder in anderer Lage dokumentiert waren. Dies führte letztlich dazu, dass vom ursprünglichen Straßenbelag nicht mehr viel übriggeblieben war und dieser daher auf nahezu der gesamten Länge der Birkhofstraße erneuert wurde. Anders sah es dagegen im Gehwegbereich aus: auch dort waren punktuell Aufgrabungen notwendig, doch konnten diese wieder gut verfüllt und geschlossen werden. In diesem Zuge wurden auch abgesenkte Bordsteine wieder gerichtet und sonstige Stolperfallen beseitigt … aber aus Kostengründen eben nicht der komplette Oberbelag des Gehwegs erneuert (… was sicherlich zu einem noch schöneren Straßenbild geführt hätte).

Angesichts geringer werdender finanzieller Spielräume wollte ich anhand dieser beiden Beispiele verdeutlichen: mehr denn je wird es in Zukunft wichtig sein, bei der Aufgabenerfüllung durch die Gemeinde zwischen Notwendigem und Wünschenswertem abzuwägen. Dies gilt nicht nur bei der Frage, welche Aufgaben (und ggf. in welcher Reihenfolge) die Gemeinde in Angriff nimmt, sondern auch dabei, wie sie diese qualitativ gut und wirtschaftlich umsetzt.

Abwasserbeseitigung

Eine kostenintensive Pflichtaufgabe der Gemeinde, die nur wenig Spielraum für Abwägung und Ermessensentscheidungen lässt, ist die Abwasserbeseitigung. Vor dem Hintergrund zunehmender Starkregenereignisse, die in immer kürzeren Abständen auftreten, investiert die Gemeinde viel Zeit und finanzielle Mittel in diesen Bereich. So konnte im vergangenen Jahr der Bau eines Regenüberlaufbeckens (RÜB) mit 350 m³ Volumen in geschlossener Bauweise und eines Regenrückhaltebeckens (RRB) mit 2.050 m³ Volumen in offener Erdbauweise am Talweg abgeschlossen werden – Kosten rund 1,74 Mio. EUR. Mindestens die gleiche Summe wird die Gemeinde aufbringen müssen, um die oberhalb der beiden Bauwerke liegende Kanalisation aufzudimensionieren und das RÜB Birkhof zu ertüchtigen. In der Folge wird – dies gehört zur „bitteren“ Wahrheit mit dazu – die Bürgerschaft diese Investitionen leider am eigenen Geldbeutel spüren. Denn als sog. kostenrechnende Einrichtung ist bei der Abwasserbeseitigung grundsätzlich Kostendeckung zu erzielen, d.h. die Abwassergebühren müssen neu kalkuliert werden und werden sich infolge der Investitionen natürlich erhöhen.

Ob und ggf. welche zusätzlichen Maßnahmen durch die Gemeinde als Folge des beauftragten „Kommunales Starkregenrisikomanagements“ noch hinzukommen, bleibt abzuwarten.

Gugg amol Weg

Zu den erfreulichen Entwicklungen in unserer Gemeinde zählt auf jeden Fall die Schaffung des „Gugg amol-Weges“. Dieser rund 13 km lange Rundwanderweg um die beiden Ortsteile Wurmberg und Neubärental, in dessen Verlauf künftig an 12 Stationen viel Wissenswertes über unsere Gemeinde zu erfahren ist, bietet tolle Ausblicke und lädt an attraktiven Plätzchen zum Verweilen ein.
Der Weg ist ein Projekt aus dem – wegen Corona leider weitgehend ausgefallenen – Gemeindejubiläum 2021 und geht komplett auf die ehrenamtliche Initiative der beiden Gemeinderatsmitglieder Michael Britsch und Dietmar Schaan zurück. Angefangen von der Idee über die erste Konzeption, von der Wegweisung über die Informationstafeln bis hin zu den Plätzen zum Verweilen – all dies wird von den beiden organisiert und durchgeführt. Und weil beide dies „so nebenher machen“, braucht es bis zur Fertigstellung ein kleines bisschen länger als ursprünglich angenommen (… die Pforzheimer Zeitung hat uns diesbezüglich mit ihrem Bericht vom Juni dieses Jahres einen zwar gutgemeinten Dienst, aber letztlich doch „kleinen Bärendienst“ erwiesen, weil dort bereits die Fertigstellung des Weges suggeriert wird). Aktuell fehlen noch die Informationstafeln an den verschiedenen Stationen; wenn diese angebracht sind, ist – voraussichtlich im Frühjahr 2023 – auch eine offizielle Eröffnung des Weges vorgesehen.

"Wurmberg 500"

Beim Ortsrundgang nicht fehlen durfte natürlich das Thema „Wurmberg 500“ - die Projektidee, die verschiedene Überlegungen der letzten Jahre rund um das „Schänzle“ als höchstem Punkt der Gemarkung Wurmberg mit einzigartiger Fernsicht bis hin zu den Pfälzer Bergen aufgreift. Sie kombiniert u.a. die Schaffung eines Aussichtspunktes und die Erhöhung des bestehenden Geländes durch Erdaushub, wodurch Wurmberg eine Höhe von 500 m üNN erreichen könnte. Neben einer noch besseren Fernsicht würden sich verschiedene Möglichkeiten zur Schaffung attraktiver Freizeitangebote (z.B. bewirtschaftete Berghütte, Minigolfanlage etc.) bieten. Mit der Verwendung großer Mengen an Erdaushub könnten zudem im Idealfall nicht unerhebliche Einnahmen für die Gemeinde generiert werden, so ein weiterer ursprünglicher Aspekt der Projektidee.

Eine von der Gemeinde in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie führte im Zwischenergebnis zu folgenden Erkenntnissen:

  • Die Umsetzung des Projekts mit einer sinnvoll nutzbaren Plateaufläche ist nur unter Zukauf von Flächen Dritter realistisch.
  • Dabei kann die angestrebte Höhe von 500 m üNN nur mit steilen Böschungen erreicht werden, die aufwändig zu sichern sind und nicht zum natürlichen Landschaftsbild passen.
  • Bei Reduzierung der maximalen Höhe auf 485 m üNN könnten flachere Böschungsneigungen gewählt werden, die besser ins Landschaftsbild passen und keine zusätzlichen Sicherungsmaßnahmen notwendig machen.

Für eine Entscheidung, ob die Projektidee weiter verfolgt wird oder nicht, ist eine hinreichende Kenntnis der – insbesondere finanziellen – Rahmenbedingungen unabdingbar. Verlässliche Aussagen in dieser Hinsicht können jedoch erst nach Durchführung der notwendigen Planungs- und Genehmigungsverfahren und auf der Grundlage konkreter Ausschreibungsergebnisse für die Lieferung und den Einbau des benötigten Bodenmaterials getroffen werden. Die Kosten für bis dorthin anfallende Verfahrensschritte müsste die Gemeinde in jedem Fall tragen, egal, ob das Projekt anschließend weiterverfolgt werden kann oder nicht.

Der Gemeinderat hat in diesem Zusammenhang festgelegt, die Bürgerschaft an der Entscheidung über die Fortführung des Projekts „Wurmberg 500“ zu beteiligen. Der Vorstellung des Projekts im Rahmen des Ortsrundgangs war hierzu der Auftakt. Eine Informationsveranstaltung in der Turn- und Festhalle soll folgen, ehe eine Bürgerbefragung stattfindet. Diese soll die Frage zum Gegenstand haben, ob das Projekt bis zum Vorliegen verlässlicher Aussagen zu den finanziellen Auswirkungen fortgeführt und die damit verbundenen Kosten seitens der Gemeinde getragen werden sollen oder nicht.

 

So, das war´s mit dem Rückblick auf den Ortsrundgang vom 01. Oktober 2022 „Schritt für Schritt – auf den Wegen der Gemeinde“. Über die in diesem Bericht erläuterten Angelegenheiten hinaus, wurden im Rahmen des Ortsrundgangs natürlich noch weitere Themen gestreift (z.B. Breitbandausbau) bzw. intensiver diskutiert (z.B. „Ochsenwäldle“). Da der Gemeindeverwaltung über den bereits öffentlich bekannten Sachstand hinaus derzeit jedoch keine neueren Informationen vorliegen, wird auf entsprechende Ausführungen in diesem Bericht verzichtet.

Über künftige Entwicklungen in diesen Angelegenheiten oder auch bei anderen, jetzt nicht angeführten Themen wird selbstverständlich, ggf. nach erforderlicher Beratung durch den Gemeinderat, im Amtsblatt bzw. auf der Website der Gemeinde Wurmberg berichtet.

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

die Rückmeldungen der Teilnehmenden am Ende des Rundgangs haben mich in meiner Absicht bestärkt, dieses Veranstaltungsformat der Bürgerinformation fest zu etablieren und in regelmäßigen Abständen zu wiederholen. Dann können auch jeweils weniger Themen angesprochen, dafür aber intensiver dargestellt werden. Näheres hierzu gebe ich zu gegebener Zeit bekannt.

Für Vorschläge aus Ihrer Mitte bin ich zudem natürlich gerne jederzeit offen.

Ihr
Jörg-Michael Teply
Bürgermeister